2. Wo kommt Desinformation vor?
2.4 Deepfakes
Immer öfter hört oder liest man das Wort "Deepfake". Sicherlich ist es dir auch schon mal begegnet.
"Deepfake" meint die künstliche Erstellung/ Veränderung von Bildern, Audios oder Videos mit der Hilfe von künstlicher Intelligenz (KI). Es basiert auf einem Programm, welches mit Bildern, Videos oder Audioaufnahmen gefüttert wird. Dabei gilt: je mehr, desto besser das Ergebnis!
Hat das Programm genug Informationen zusammenbekommen, kann es daraus ganz unterschiedliche Deepfakes erzeugen. Zum Beispiel kann es das Gesicht von bekannten Persönlichkeiten mit einem anderen Gesicht austauschen ("swappen"). Oder man kann eine künstlich generierte Stimme Sätze sagen lassen, die man einfach nur eintippt ("Text-zu-Sprache").
Grundsätzlich sind Deepfakes nicht ausschließlich schlecht, sondern können auch sinnvoll eingesetzt werden. Z.B. indem in einer Dokumentation das Gesicht und die Stimme eines Menschen, dem Gefahren drohen, ausgetauscht wird. Durch Deepfakes kann die Person anonym bleiben und vor politischer Verfolgung geschützt werden. Ein Beispiel für so eine Anonymisierung ist der Dokumentarfilm "Achtung Lebensgefahr! – LGBT in Tschetschenien" (original: "Welcome to Chechnya"), welcher die Verfolgung von homosexuellen Menschen in Tscheschenien thematisiert.
Quelle: Mostmeggl, 2024, Screenshot bei 0:12
sie die Einführung einer "Pfand-Steuer" ankündigt.
Quelle: mimikama-club, 2023, Kanalname wurde nachträglich unkenntlich gemacht, um die Anonymität zu wahren (blauer Balken oben links).
So ist ein muskelbepackter Olaf Scholz (Abb. 2), welcher vor der Kamera posiert, wirkt zwar befremdlich, aber darum wahrscheinlich auch sehr ulkig.
Sicherlich kannst du dir schon vorstellen, dass Deepfakes auch gerne genutzt werden, um echt wirkende Videos zu erstellen und durch sie falsche Informationen zu verbreiten. Ein gutes Beispiel ist das bekannt gewordene Video der Außenministerin Annalena Baerbock (Abb. 3), in welchem sie die Einführung einer "Pfand-Steuer" zum 01.01.2024 ankündigt. Es handelt sich recht eindeutig um einen falschen Inhalt. Jedoch wurde das Originalvideo zehntausende Male angeschaut und auf verschiedenen Social-Media-Plattformen geteilt.

Hintergrundinformation
Eine Bilder-Rückwärtssuche führt auf ein Video, welches am 11.09.2023 auf 𝕏 gepostet wurde. Hier spricht die Außenministerin aber nicht über eine "Pfand-Steuer", sondern über die Lage in Palästina.
Der Deepfake wurde ursprünglich von dem TikTok-Kanal "annalenas.world" hochgeladen. Der Kanal und das Video sind mittlerweile nicht mehr aufzufinden. Dort wurden verschiedene Deepfakes gepostet, welche auch als politische Satire gekennzeichnet wurden. Beim Teilen dieses Videos wurde die Kennzeichnung jedoch meistens nicht übernommen.
Trotz der seltsamen Lippen- und Körperbewegungen, kann es schwer fallen, das Video als Fake zu erkennen.
Vor allem das zweite Beispiel zeigt, wie schnell Deepfakes für echt gehalten werden können. Darum ist es wichtig, Deepfakes zu erkennen. Das fällt aber immer schwerer, da Deepfakes mit der Zeit immer besser werden.
Es ist also nicht nur wichtig auf den Bildinhalt zu schauen, sondern auch auf andere Aspekte.
Das trifft auch für Desinformation zu und soll darum im nächsten Kapitel behandelt werden.

