Alternativtexte schreiben
10. Komplexe Bilder
Wenn Grafiken oder Diagramme so komplex sind, dass sie einer längeren Beschreibung bedürfen, ist es möglicherweise hilfreicher zwei Beschreibungen für dieses Bild anzufertigen. In diesem Fall wird ein kurzer Alternativtext für den Screenreader mit einer knappen Beschreibung und Hinweis, wo eine längere Beschreibung hinterlegt ist, angefertigt.
Zusätzlich gibt es eine ausführliche Bildbeschreibung, die für alle lesbar ist, zum Beispiel als ausklappbares Akkordeon auf einer Webseite direkt unter dem Bild oder als herunterladbares Word-Dokument.
In bestimmten Fällen ist es hilfreich die Grafik nach einer bestimmten Struktur zu beschreiben. Zum Beispiel bei einem Flussdiagramm, welche eine häufige Methode im Bildungskontext sind, um Informationen darzustellen. Hier bietet es sich an diese bildlich verzweigte Darstellung als verschachtelte Liste zu beschreiben. Die einzelnen Elemente können mit Zahlen geordnet werden und die jeweiligen Verbindungen als Unterpunkte der jeweiligen Elemente. Es ist nicht nötig visuelle Attribute, wie Farben oder Formen zu beschreiben, außer sie tragen eine ganz bestimmte Aussage, die beispielsweise auch prüfungsrelevant ist. Zusätzlich kann eine taktile Version eines Diagramms helfen dies zu verstehen. Diese Hinweise werden vom Diagramm Center gegeben, einem US-amerikanischen Forschungszentrum, welches einen Überblick gibt, auf welche Arten verschiedene Diagrammtypen beschrieben werden können und worauf dabei zu achten ist.
Zusätzliche Bildbeschreibungen für komplexe Grafiken
Wie erwähnt bietet es sich im Falle eines komplexen Bildes an, einen kurzen beschreibenden Alternativtext zu hinterlegen, der durch den Hinweis auf eine ausführlichere Bildbeschreibung an anderer Stelle ergänzt wird. Neben Bildunterschriften und Alternativtexten können sehbeeinträchtigte oder blinde Personen zusätzlich aus Begleittexten und Bildbeschreibungen Informationen über ein Bild erhalten. Hier eine kurze Übersicht über die vier verschiedenen Textmöglichkeiten und deren Charakteristika:
- Der Alternativtext liegt "hinter" dem Bild und wird von Screenreadern vorgelesen.
- Die Bildunterschrift ist direkt unter dem Bild zu finden und enthält Kurz-Informationen zum
Bild. Diese sollten sich im Alternativtext nicht doppeln. - Der Begleittext ist der Text, in den das Bild integriert ist. Im Begleittext integrierte Informationen über das Bild können bei der Formulierung des Alternativtextes vorausgesetzt werden.
Es kann sein, dass auch für eine komplexe Grafik ein kurzer Alternativtext ausreicht, wenn im Begleittext bereits die Grafik umfassend beschrieben wird. Ist dies nicht der Fall, brauchen komplexe Grafiken eine zusätzliche Bildbeschreibung. Anders als Alternativtexte sind Bildbeschreibungen (wie auch die Bildunterschrift und der Begleittext) für alle Nutzer*innen sichtbar. Sie können als Lightbox in den Begleittext (in der Nähe des entsprechenden Bildes) integriert oder in einem zusätzlichen Dokument zur Verfügung gestellt werden. Im Alternativtext sollte darauf hingewiesen werden, wo die jeweilige Bildbeschreibung zu finden ist. Zunächst gelten viele der grundlegenden Regeln für Alternativtexte auch für Bildbeschreibungen.
Hier ein paar Regeln für die Bildbeschreibung:
- Auch Bildbeschreibungen sollten den Inhalt des Bildes objektiv beschreiben und keine Interpretationen enthalten. Erlauben Sie den Nutzer*innen stattdessen, sich ihre eigene Meinung zu bilden.
- Die Informationen aus dem Begleittext und der Bildunterschrift vorausgesetzt werden und sollten nicht wiederholt werden.
- Gehen Sie auf Farben nur ein, wenn sie von Bedeutung sind. Beliebige Farben für Elemente von Balken- und Liniendiagrammen müssen beispielsweise nicht angegeben werden.
- Denken Sie an Ihre Zielgruppe und ihr Vorwissen: Richten Sie das Vokabular sowie die Verwendung von Fachtermini an den Kenntnissen der Lernenden aus.
- Vom Allgemeinen zum Spezifischen:
Da Bildbeschreibungen umfangreicher als Alternativtexte sind und alle Elemente und Zusammenhänge einer komplexen Grafik beschreiben, sollten Sie mit dem übergeordneten Kontext beginnen. Gehen Sie dann zu den Details über, die das Verständnis verbessern. So können die Lernenden selbst entscheiden, wie viele Informationen sie lesen möchten. (HD@DH.NRW (Redeker) 2023) - Ein Beispiel auf der Webseite der Fakultät Sozialwissenschaften der Technischen Universität Dortmund. Hier gibt es zu dem Organigramm zusätzlich ein Worddokument, in dem das Organigramm als übersichtliche Liste dargestellt wird.
Beispiel
Flow Chart:
Möglicher Alt-Text: "Flussdiagramm Thrombose Gefahr, ausführliche Beschreibung (Ort angeben)."
Mögliche Beschreibung: "Flussdiagramm mit acht beschrifteten Kästen, die durch Pfeile verbunden sind. Das Diagramm verläuft unidirektional nach rechts, teilweise kommen Kästchen als Zusatz zum Flow dazu. Bei jedem Schritt zeigen Pfeile vorwärts zu einem oder mehreren Kästchen. Das Diagramm behandelt das Thema Thrombose-Gefahr. Liegt eine Gefahr vor, sind die Kästchen rot eingefärbt, liegt keine Gefahr vor, sind sie grün eingefärbt. Das Flussdiagramm wird als Liste beschrieben, in der die möglichen nächsten Schritte unter jeder Kästchenbeschriftung aufgeführt sind.
Erstes Kästchen: Venous flow (rot)
a. weiter zu Lower extremeties (rot)
Lower extremeties
a. weiter zu Statis of Blood (rot)
Statis of Blood
a. Dazu kommt Risk factors (rot)
Von Status of Blood mit Risk factors
Dazu kommt: medical intervention (grün)
Zu Bleeding (rot)
Zu no thrombosis formation (grün)"

Nach: Leitfaden zur Erstellung von Alternativtexten im Bildungskontext. Kathrin Schilbach, Anne Haage (Kompetenzzentrum digitale Barrierefreiheit.nrw, Technische Universität Dortmund), CC BY 4.0.