PÄDAGOGISCHES KONZEPT

In der ersten Phase werden die Schüler mit dem biologischen und ökonomischen Hintergrund konfrontiert: Die Meere sind überfischt. Die Zucht von Fischen (Aquakultur) belastet die Gewässer ebenfalls stark. Menschen benötigen für ihre gesunde Entwicklung jedoch Eiweiß. Auch intensive Gemüseproduktion erfordert Düngung. Diese ist teuer. Da sie nicht immer genau dosierbar ist, werden Gewässer durch Auswaschen von Nitraten belastet. Sowohl bei Fisch als auch bei Gemüse bestehen lange Transportwege zum Verbraucher in den ländlichen Regionen Perus, was die Qualität der Lebensmittel einschränkt bzw. die Preise erhöht. Dadurch wird es Menschen mit geringen Einkommen erschwert, sich gesund zu ernähren.

Das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei bietet hier die Lösung für eine nachhaltige Nahrungsmittelproduktion. Es soll da produziert werden, wo gegessen wird. Das dafür entwickelte geschlossene Kreislaufsystem mit wenig zusätzlichen Wasser- und Futterressourcen kann ökonomischer produzieren als bisherige Lösungen und fast emissionsfrei wirtschaften.

Nach Auseinandersetzung mit der Fachliteratur erkennen die Schüler, dass Fischeiweiß wertvoller ist als Schweine-, Rind- oder Hühnereiweiß – bei effizienterer Produktion. Es ist technologisch kombinierbar mit der Zucht von Tomaten, denn diese haben gleiche Ansprüche an die Temperatur wie Tilapia (ca. 27 Grad).

Auf verschiedenen Ebenen in unterschiedlichen Schulbereichen beteiligen sich die Schüler an der Umsetzung des Projekts, das den schulischen Zielen voll entspricht. In der gemeinsamen Arbeit entwickeln sie ökonomische, fachliche, kommunikative und ethische Kompetenzen.

 

1. Entrepreneurship: innovative Lösungen für die Arbeitswelt (Wirtschaft und Informatik)

Schulziel: Vorbereitung der Schüler auf die Arbeitswelt durch berufsorientierte Angebote und die Vermittlung fundierter Kenntnisse in der Informationstechnologie

  • ökonomische Grundkenntnisse und Strategiedenken verbinden

  • ökonomische Praxiskontakte knüpfen

  • Business-Plan erstellen, d. h. Technologie erforschen, Markt analysieren, betriebliche Grundfunktionen (Beschaffung, Produktion, Absatz) in Projektgruppen diskutieren

  • Technologischen Ablauf/finanziellen Umfang eigenen Bedürfnissen anpassen (Schulprojekt)

  • Berechnung der Wirtschaftlichkeit, Kostenplanung und -rechnung, Buchführung der Pilotanlage, Controlling

  • Produktion begleiten

  • Marketing-Strategien ausarbeiten und umsetzen

  • langfristig: Berechnung der Wirtschaftlichkeit der Kleinvariante für das Patendorf

  • einen kleinen regionalen Wirtschaftsraum unternehmerisch fördern (der Landflucht Chancen für junge Fachkräfte entgegenstellen)

  • langfristig: verschiedene Leitungsstrukturen kennenlernen und modifiziert umsetzen, Kompetenzen in der Leitung erwerben (Mitarbeiter im Patendorf so motivieren, informieren und befähigen, dass auch diese Anlage langfristig wirtschaftlich arbeitet)

 

2. Entwicklung von naturwissenschaftliche Kompetenzen (Grundlagen der Bio-Technologie)

Schulziel: Hohe akademische Bildung mit dem Abschluss „Gemischtsprachiges Internationales Baccalaureate“

Die naturwissenschaftliche Bildung im Fach Biologie auf Deutsch erfolgt im Rahmen des im Curriculum der IBO vorgeschriebenen fächerübergreifenden Projekts:

  • Recherche zu ökologischen Ansprüchen der Tilapia- und Tomatenart,

  • Begleitung/Überwachung des Prozesses: Entwicklung der Jungfische, Tomatenpflanzenanzucht, Wassergüte (pH-Wert, Nitratgehalt, Sauerstoffgehalt...)

  • Kooperation mit dem Leibnitz-Institut: Erprobung einer Aquaponik-Anlage in einem ariden Raum unter Bedingungen, der in Berlin nicht zur Verfügung steht

  • Modifizierung der Faktoren

 

3. Entwicklung von Medienkompetenzen

Schulziel: Vermittlung fundierter Kenntnisse in der Informationstechnologie

  • Ökonomische und technologische Datenerfassung und -dokumentation, Auswertung

  • Schlussfolgerungen zu den biochemischen Parametern in der Lernplattform Moodle transparent darstellen

  • Umgang mit Data-Loggern zur Datenerfassung erlernen und automatisieren

  • Dokumentation mit Hilfe von Tablet-PCs

 

4. Fremdsprachen als Schlüsselkompetenz in der globalisierten Welt (Biologie auf Deutsch)

Schulziel: Vermittlung hoher Sprachkompetenzen in Deutsch, Vorbereitung auf das Sprachdiplom

  • Dokumentation in deutscher Sprache auf der schuleigenen Lernplattform Moodle

  • geplant: Kooperation mit dem Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei: Datentransfer, Erfahrungsaustausch in deutscher Sprache

 

5. Entwicklung der Persönlichkeit der Schüler

Schulziel: Erziehung in christlichen Werten und zu sozialer Verantwortung

Dies erfolgt im CAS-Unterricht, aber auch im Naturkundeunterricht der Grundschule (Primaria), außerunterrichtlich und im Kindergarten, z. B. beim Pikieren der Anzuchtpflanzen, Umsetzen der Jungfische, Füttern usw.

Hier geht es nicht nur um die Veranschaulichung, was Nachhaltigkeit bedeutet, sondern darum zu lernen und zu verinnerlichen, wie wichtig es ist, sich gemeinsam mit anderen engagiert für die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen. Hierbei erfolgt eine Zusammenarbeit aller Altersbereiche (Kindergarten, Primaria, Secundaria, Bachillerato)

Langfristig: Implementierung der Kleinvariante im Patendorf durch Schulung der Mitarbeiter (Gewinnen von interessierten einheimischen Dorfbewohnern, welche die Anlage eigenverantwortlich betreiben.)

Schulziel: Anleitung zu eigenverantwortlichem Lernen und Arbeiten

Entwicklung persönlicher Kompetenzen

  • ausdauerndes, geduldiges konzeptionelles, aber auch praktisches Arbeiten in Balance zwischen Durchsetzungsfähigkeit und Anpassungsvermögen an veränderte Bedingungen

  • Fähigkeit zur Selbstreflektion, Lern- und Leistungsbereitschaft

  • motiviert und zielorientiert arbeiten - sorgfältig und verantwortungsbewusst handeln

Entrepreneurship kennenlernen und im Team umsetzen

  • individuelle Förderung von Selbstvertrauen, Eigeninitiative und Unternehmergeist bei Schülerinnen und Schülern

  • auf der Basis von Fachwissen kontrollierte ökonomische Risiken eingehen (Gegenüberstellung von Investitionen, Ertragsprognose und tatsächlich erwirtschafteten Gewinnen oder Verlusten, Analyse, Schlussfolgerungen für die nachfolgenden Etappen)

  • sich selbst – nachhaltig tätig werdend – als Akteur in das Wirtschaftsgeschehen einbringen

  • eigene Ressourcen hinterfragen – Zukunftstechnologien als Felder der Berufs- und Studienorientierung nutzen (Karriereplanung)

Humanistische Teamarbeit ist nur dann erfolgreich, wenn Mitarbeiter aller involvierten Fachgebiete (hier Ökonomie, Biochemie, Ökologie, Ethik, Pädagogik) sich wissenschaftlich informieren, ökonomisch nachhaltige Konzepte entwickeln, zielführende Methoden der Zusammenarbeit entwickeln, erfolgreich wirtschaften und sich in gemeinsamer Arbeit langfristig für das Wohl von Menschen einsetzen. Wer dies als teilnehmender Schüler erlebt, lernt nicht nur für die Schule, sondern vor allem für ein sinnerfülltes Leben.

Verantwortlich sind:

Biologie: Aune Chu

Wirtschaft: William Iraola

Deutsch: Ulrike Sallandt

CAS: Levi Vargas

Koordination Kindergarten/Primaria: Nataly Jeri

Gesamtleitung/Technische Leitung: Wolfgang Voigtländer (Elektromeister, extern)

 

Zuletzt geändert: Donnerstag, 6. Juni 2013, 02:50